Marketing mal anders - wir sprechen die Preise ab
und die Kunden sind die Dummen?

Die Preisabsprachen diverser Händler bieten eine breite Palette an betroffenen Produkten. Hersteller und deutsche Supermärkte haben über Jahre die Kunden abgezockt. Es fanden illegale Preisabsprachen statt, die auch intern intensiv kontrolliert wurden.

Das System war ziemlich einfach, aber leider auch wirkungsvoll:

 

  1. Die abgesprochenen Preise wurden untereinander scharf kontrolliert. Hierzu bediente man sich Excel-Tabellen.

  2. Teilweise mehr als ein Jahrzehnt haben Hersteller die Preise für massenhaft verkaufte Artikel abgesprochen. Die abgesprochenen Preise betrafen Kosmetik, Kaffee, Lakritz und Schokolade. Vielleicht werden aber auch noch mehr Artikel bekannt, die in diesem System und nach diesem Muster verkauft wurden.

  3. Wer nicht mitmachen wollte, wurde unter Druck gesetzt. Ist hier nicht schon erhebliche kriminelle Energie zu vermuten?

  4. Wer trotzdem widerspenstig war, wurde unter erheblichem Druck "überzeugt" oder auch mit Liefer-Boykott bedroht.

  5. Wenn alles bekannt wird, werden wir Verbraucher uns noch wundern, welche Artikel alle betroffen sind.

  6. So konnten erforderliche Preiserhöhungen sicher und konsequent durchgesetzt werden, was einem normalen Marktwirtschaftsprinzip aber total widerspricht.

  7. So konnten die Handelsmargen der großen Ketten gesichert und der ansonsten aggressive Preiskampf unterbunden werden. Lästige Konkurrenz konnte ausgeschaltet werden.

  8. Eine effektive Kontrolle des Systems wurde installiert und wenn sich "gefügige" Händler daran hielten, gab es große Boni, Rabatte und Rückvergütungen, die sich zusätzlich lohnten und jedes marktwirtschaftliche Prinzip außer Kraft setzte.

  9. Die Argumentationen einzelner Hersteller, warum sie bei diesem System mitgemacht hatten, sind atemberaubend.

Das dies in Deutschland über teilweise mehr als 10 Jahren so funktionieren kann, ist mehr als erschreckend und sollte uns Verbraucher noch sensibler für Kaufangebote machen. Auf lange Sicht wird uns Endkunden nichts anderes übrig bleiben, als uns selbst zum kompetenten Endkunden auszubilden und solche Systeme damit außer Kraft zu setzen. Dass sich die meisten der "Angeschuldigten" nun schnellstmöglich im Vorfeld "schuldig" bekannt haben, ist aber sicherlich kein Zeichen der Einsicht. Man will das Thema nur so schnell wie möglich aus der Tagespresse haben. Wir sollten dies aber lieber aufmerksam begleiten.

Übrigens hat es keinem der Täter bisher so richtig weh getan. Wie mittlerweile üblich, haben die Täter, wahrscheinlich brutalst möglich, sich an der Aufklärung beteiligt und konnten sich so der individuellen Bestrafung weitgehend entziehen.
Nach Bekanntwerden dieser Tatsachen erklärte Haribo, dass man sich der Rechtswidrigkeit dieser Absprachen nicht bewusst gewesen sei. Die Firma Melitta blieb ganz straffrei, andere Beteiligte erhielten ermäßigte Bußgelder.

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